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Erbschaften fördern eine ungleiche Gesellschaft 


Erbschaften fördern eine ungleiche Gesellschaft
 

Arbeiten oder Erben – was führt zu Reichtum?

von Patrick Mayrhofer, 9. Oktober 2017Martin Schürz, Verteilung, Vermögen, Erbschaftssteuer

Vor einem Jahr erschien eine Studie des WU-Forschungsinstituts INEQ und der AK Wien, die sich mit den Einflüssen erhaltener Erbschaften auf die Vermögensverteilung beschäftigt. Dabei stellt sich die Frage, ob Vermögen durch erwirtschaftetes Einkommen oder durch Erbschaften aufgebaut wird? Die Studie zeigt, dass Österreich zu jenen Ländern der Eurozone gehört, in denen das Erben einen maßgebenden Einfluss auf die Vermögensbildung nimmt.

Das Erhalten einer Erbschaft führe im Durchschnitt zu einer Verbesserung der eigenen Position innerhalb der Vermögensverteilung um rund 18 Perzentile. Eine Erhöhung des Einkommens, die dem Anstieg um ein Perzentil in der Einkommensverteilung gleich kommt, führe im Vergleich jedoch nur zu einer vernachlässigbaren Verbesserung von rund 0,4 Perzentil in der Position des Haushalts in der Vermögensverteilung. Demnach muss ein Haushalt somit knapp 49 Perzentile – fast die Hälfte der Einkommensverteilung – überspringen, um die gleiche Position in der Vermögensverteilung zu erreichen, wie ein Haushalt, der eine Erbschaft erhält.

Im Lichte dieser Betrachtung kann gesagt werden, dass das Erhalten einer Erbschaft maßgebend für die Vermögensbildung ist. Zudem werden oftmals nicht nur Geldsummen oder Sachgegenstände vererbt. Auch nicht monetäre Unterstützungen wie beispielsweise die Bildung werden weitergegeben, welche sich ebenfalls auf den Vermögensaufbau auswirken. Somit stellt die Geburt in eine wohlhabende Familie einen entscheidenden Faktor für das Ausmaß des zukünftigen Eigentums dar. Es besteht daher die Gefahr, dass so Familiendynastien entstehen, welche das Vermögen bündeln und noch weiter ausbauen. Viele Merkmale einer Refeudalisierung der Ökonomie sind nach und nach beobachtbar.

Thomas Piketty spitzte die entstehenden Probleme der Vermögensungleichheit und der Refeudalisierung in seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ mithilfe des Romans Le Père Goriot zu. Darin erklärte der zwielichtige Charakter Vautirn dem jungen Rastignac, dass sozialer Erfolg und Wohlstand nicht durch Studium, Verdienst und Arbeit erreicht werden. Nur durch eine Vermählung mit Mademoiselle Victorine und einer damit verbundenen Erbschaft würde er in den Besitz eines Vermögens kommen.

Erbschaften fördern eine ungleiche Gesellschaft

Zunächst muss angeführt werden, dass das gesamte Volumen der Erbschaften sehr ungleich in der Gesellschaft verteilt ist. Daraus erschließt sich auch, dass Menschen im obersten Dezil der Vermögensverteilung höhere Sach- und Geldwerte vererben als Menschen am unteren Ende. Eine weitere Studie zeigt, dass Erbschaften den größten Teil zur Ungleichheit in der Gesellschaft beitragen. Mit fast 40 Prozent tragen in Österreich die Erbschaften am höchsten zur ungleichen Verteilung des Bruttovermögens (Maßeinheit Gini Koeffizient) bei. Mit ungefähr 20 Prozent ist dagegen das Haushaltseinkommen nur halb so stark für das Ausmaß der Vermögensungleichheit verantwortlich.

In einem Artikel weisen Stiglitz und Bilmes auf die vielfältigen Probleme der steigenden Vermögensungleichheit hin. Darin erklären sie, dass die „Rent-Seeking-Anreize“ der wohlhabenderen Bevölkerung eine Gefahr für die Ökonomie darstellen. Hierbei können reichere Haushalte die Gesetze und staatlichen Förderungen durch ihren Einfluss so lenken, dass sie selbst mehr daraus profitieren als die anderen Bevölkerungsschichten. Vielmals basiert dies nur auf besonderen Privilegien, die ausgenutzt werden und nicht auf mehr erbrachte Leistungen. Durch das „Rent-Seeking“ wird also nur versucht, den Anteil am Kuchen zu erhöhen, nicht aber die Größe des zu verteilenden Kuchens. Viele dieser Entwicklungen finden beispielsweise im Finanzsektor statt. Spekulationen führen zu Verzerrungen der Verteilung der Ressourcen und zu hohen Preisschwankungen. Dies stört die Entscheidungsfindung und schwächt wiederum die Ökonomie.

Zunehmend verlieren die Bürgerinnen und Bürger das Vertrauen in die Politik. Wächst die Ungleichheit weiter, dann verhärtet sich unter den Vermögens- und Einkommensschwächeren die Einstellung, dass ihre Anliegen keine Chance gegenüber wohlhabenderen Interessengruppen hätten. Zudem verbreitet sich das Gefühl des Feststeckens und keine Aufstiegsmöglichkeiten zu haben. Dies kann zu Perspektivlosigkeit und somit zu Resignation führen. Dadurch wird viel Potenzial und Talent verschwendet.

Eine steigende Einkommens- und Vermögensungleichheit reduziert die Glaubwürdigkeit und Sicherheit bestehender Systeme. Der Zugang zu guter Gesundheitsvorsorge wird nach und nach in zwei Klassen geteilt. Der Zugang zu Universitäten soll eingeschränkt werden. Beide Beispiele werden vielmals damit begründet, dass zu wenig staatliche Mittel zur Verfügung stehen. Eine Erbschafts- und Schenkungssteuer würde den budgetären Spielraum für öffentliche Leistungen erhöhen und so die oben genannten wachsenden Risiken dämpfen.

Potenzial einer Erbschaftssteuer

Mithilfe der Daten aus der ersten HFCS-Erhebung berechnete Stefan Humer das Potenzial einer Erbschafts- und Schenkungssteuer. Bei der Durchführung der Studien wurden zwei verschiedene Varianten von Freibeträgen und Steuersätzen getestet. Ein Freibetrag von 500.000 Euro verbunden mit einem Tarif von 15 Prozent würde ein durchschnittliches jährliches Steueraufkommen von 550 Millionen Euro lukrieren. Ein Freibetrag von 1.000.000 Euro in Verbindung mit einem Tarif von 25 Prozent bedeutet ein durchschnittliches Steueraufkommen von 640 Millionen Euro.

Beide Tarife zeigen das mögliche Potenzial einer Erbschafts- und Schenkungssteuer. Mit 15 beziehungsweise 25 Prozent sind die Grenzsteuersätze sehr tief gewählt, eine progressivere Variante mit höheren Sätzen würde das Aufkommen noch weiter erhöhen.

Zudem können die für das Modell gewählten Varianten als treffsicher bezeichnet werden. Bei einem Freibetrag von 500.000 Euro wären demnach nur fünf Prozent aller Erbfälle, bei einem Freibetrag von 1.000.000 Euro nur zwei Prozent aller Erbfälle betroffen. Im Sinne des Gerechtigkeits- und Leistungsfähigkeitsprinzips kann somit eine Erbschafts- und Schenkungssteuer von den leistungsfähigeren Erbenden zur restlichen Bevölkerungsmehrheit umverteilen.

Fazit

Vielfach stehen unsere Lebensmöglichkeiten bereits bei der Geburt zu einem großen Teil fest. Faktoren wie die finanziellen Ressourcen unserer Eltern und deren Bildung, unser Umfeld am Wohnort, die Arbeitsmarktlage oder die Diskriminierungen aufgrund unseres Geschlechts, unserer Hautfarbe und Herkunft spielen eine große Rolle. Das Ideal der Chancengleichheit ist daher nicht gegeben.

Die Erbschafts- und Schenkungssteuer stellt eine mögliche Besteuerung von Großvermögen dar, welche auch in vielen Eurozonenländern angewandt wird. Sie ist ein hilfreiches und treffsicheres Instrument, um die Vermögensungleichheit zu reduzieren beziehungsweise deren weitere Zunahme einzudämmen. Die eingehobenen Steuermittel können wiederum für zukunftsorientierte Investitionen, wie beispielsweise solche in Bildung, Infrastruktur, Forschung und Entwicklung, verwendet werden. Auch können die neuen Einnahmen die Besteuerung des Faktors Arbeit entlasten, um so positive Effekte auf die Beschäftigung zu nutzen.

Monday, October 9, 2017 10:12:00 PM Categories: Gerechte Besteuerung
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Keine Erbschaftssteuer ist ungerechtigkeit 


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Fehlende Erbschaftssteuer in Österreich – eine eklatante Ungerechtigkeit

Von Markus Marterbauer und Martin Schürz, 3. Mai 2017

Martin Schürz, Verteilung, Vermögen, ErbschaftssteuerMarterbauer, Konjunktur, Experte, Wirtschaftspolitik

Vor zehn Jahren wurde in Österreich die Abschaffung der Erbschaftssteuer eingeleitet, seither schwelt die Debatte über ihre Wiedereinführung. Kaum ein Argument der GegnerInnen hält einer inhaltlichen Prüfung stand. Dennoch ist die Diskussion in der Gesellschaft ambivalent, weil es dabei auch um Ängste und Werte geht. Heute sind die Voraussetzungen für eine neue Erbschaftssteuer in dem Sinn besser, als die Datenlage in Bezug auf das Erbvolumen und seine Verteilung massiv verbessert wurde, sich die Wissenschaft eindeutig äußert und neue Modelle, etwa in Bezug auf die Zweckbindung des Aufkommens für Pflege, entwickelt wurden. Dennoch verhindert die gesellschaftliche Macht der Vermögenden das wirtschaftlich und sozial Vernünftige.

Vor zehn Jahren starteten wir die Initiative „304 ÖkonomInnen gegen die Abschaffung der Erbschaftssteuer“. Der Falter schrieb damals zutreffend, dass unserer Initiative vermutlich nicht derselbe Zulauf beschieden sein würde, wie etwa der Initiative zur Beseitigung des Hundekots. Und tatsächlich wurde die Erbschaftssteuer aufgegeben. Vor drei Jahren startete der BEIGEWUM einen Aufruf für eine Wiedereinführung der Erbschaftssteuer. Breite Zustimmung für das Anliegen der ErbschaftssteuerbefürworterInnen gab es nie. Und es mangelte auch nicht an argumentfreier und emotional hyperventilierender Gegnerschaft in Medien und Politik.

Die Lehren der letzten zehn Jahre

Bei wichtigen Fragen zur Erbschaftssteuer waren wir wohl zu aufklärungsoptimistisch, insbesondere weil wir dachten, dass es vorrangig um ein Aufzeigen von Fakten zum Erben gehen würde.

Die Behauptungen zu den Nachteilen einer Erbschaftssteuer haben einer wissenschaftlichen Überprüfung nie standgehalten, doch dies mussten sie gar nicht. Sie funktionierten als angstmachender, irrationaler Gegendiskurs. Sie waren eben keine Mythen, sondern schlichte Lügen oder ein banales Bullshiting.

Der administrative Aufwand der Erhebung der Erbschaftssteuer sei höher als ihr möglicher Ertrag. Familienunternehmen könnten nicht fortgeführt werden und es handle sich um eine ungerechte Mehrfachbesteuerung. Dies waren keine Argumente, sondern Behauptungen, die den empirischen Daten zuwiderliefen. Doch Ideologeme als Ideologie zu verurteilen, führt nicht besonders weit, wenn diese von vornherein ohnedies nur als Propaganda konzipiert waren. Die PropagandistInnen gegen eine Erbschaftssteuer glaubten selbst auch nicht an den Lavendel von der ungerechten Mehrfachbesteuerung und den Gefahren von enteigneten Familienunternehmen und mittellosen Bauern.

Die Einhebung einer Erbschaftssteuer ist vergleichsweise einfach, deswegen gab es eine solche Steuer schon im antiken Rom.

Wenig Betroffene, hohes Aufkommen

Zahlen aus den USA und Deutschland belegen eindrucksvoll: Auch in Ländern mit Besteuerung zahlt ohnehin fast niemand Erbschaftssteuern. Jene die zahlen, können es sich leisten und zahlen wenig angesichts ihres Vermögens. Trotz hoher Freibeträge und vieler Ausnahmen kommt bei den Steuereinnahmen etwas zusammen.

Die Erbschaftssteuereinnahmen lagen 2014 in den USA bei 19,3 Mrd. US-$. 2013 gab es nur 4700 steuerpflichtige Nachlässe, die Nachlasssteuer in den USA betraf nur 0,18 % aller Nachlässe. Nun plant die Administration Trump den Multimillionären ein Steuergeschenk durch die Abschaffung der Nachlasssteuer zu verschaffen.

Die Erbschaftssteuereinnahmen in Deutschland lagen 2015 bei 6,3 Mrd. €. Dies war ein beachtlicher Zuwachs um 15,4 % gegenüber dem Vorjahr. Besteuert wurden trotzdem nur wenige. Von den 1,6 Millionen Erbfällen jährlich kommen nur 23.000 potenziell in die Erbschaftssteuerpflicht. Das sind 1,5 % aller ErbInnnen. Und dafür muss man schon mehr als 500.000 € erben.

1.200 Fälle mit Erbschaften über fünf Millionen Euro erhalten 14 % des gesamten Erbvolumens (21 Mrd. €).

In Österreich wird sich das Erbvolumen bis 2040 auf Basis von Berechnungen durch Stefan Humer von der WU auf etwa 20 Mrd. € verdoppeln.

http://blog.arbeit-wirtschaft.at/wp-content/uploads/2017/05/2017_04_Blog-ErbSt_Grafik.png

Daraus ergeben sich drei Überlegungen zur Ambivalenz in der Gesellschaft zur Erbschaftssteuer.

Arm und Reich können Ängste und Werte teilen – trotz unterschiedlicher Interessen

Erben ist ein Vermögenstransfer meist von den Eltern zu den Kindern. Oft wird auch das Eigentum der ErblasserInnen als eines der Familie angesehen und Erbschaftssteuern als illegitimer Eingriff in die Familiensphäre betrachtet. Daher stehen Familien im Brennpunkt der Debatte. Die steuerliche Bevorzugung der Familie kommt in der Berücksichtigung des Verwandtschaftsgrades beim Erbschaftssteuersatz zum Ausdruck.

Der Familienfokus ist aus Gerechtigkeitsüberlegungen aber ein Problem. Es stehen keine armen Familien, die steuerlich bevorzugt werden müssten, reichen Individuen gegenüber. Vielmehr besteht der Gegensatz zwischen Arm und Reich, zwischen armen Familien, in denen nichts geerbt wird, und reichen Familien, auf welche das Erbgeschehen konzentriert ist. Wer Familien beim Erben bevorzugt, privilegiert Reiche.

Eine Erbschaftssteuer betrifft eine emotional fordernde Situation. Wenn Argumente Gefühlen widersprechen, haben letztere gute Chancen, sich durchzusetzen. Unter der Annahme, dass Menschen rational kalkulierend nur ihren eigenen Nutzen zu optimieren suchen, müssten Reiche gegen eine Erbschaftssteuer sein und Arme sowie Mittelschicht dafür, weil sie höhere Sozial- und Bildungsausgaben ermöglicht. Doch sowohl Arme als auch Reiche haben Emotionen und Überzeugungen jenseits von Eigeninteressen. Gerade sozial benachteiligte Menschen richten ihre Hoffnungen gerne auf die Nachkommen. Wenigstens den Kindern soll es besser gehen. Eine Erbschaftssteuer kann ihnen daher als eine weitere Benachteiligung im Leben erscheinen, auch wenn sie selbst kein zu vererbendes Vermögen anhäufen können.

Fragen zur Endlichkeit prägen Debatten zur Besteuerung von Erbschaften, ohne offen thematisiert zu werden. In den USA heißt die ungeliebte Nachlasssteuer umgangssprachlich Todessteuer. Der Tod ist ein die Angehörigen der Verstorbenen oft traurig stimmendes, jedenfalls meist tabuisiertes Thema.

Viele Menschen wollen, dass von ihnen etwas bleibt – wenigstens eine Erinnerung oder Werte, vielleicht Haltungen oder Ideen. Für die Reichen kommt noch Vermögen hinzu. Dieses ermöglicht in bestimmtem Maß ein ideelles Fortleben im Familieneigentum.

Rhetorisch erbschaftssteuerfreundliche Politik mit hohlem Gerechtigkeitspathos

Die Kluft zwischen radikaler Gerechtigkeitsrhetorik und bescheidenen Erbschaftssteuervorstellungen ist markant. Das Gerechtigkeitsprinzip, auf welches sich kritische Erbschaftsdiskurse meist stützen, ist jenes der Leistungsgerechtigkeit. Doch Leistung ist an sich ein fragwürdiges Prinzip, zwischen Menschen nur schwer zu vergleichen und oft missachtend interpretiert. Für das Glück der reichen Geburt haben die Reichen nichts getan und in der Erbschaft steckt keine eigene Leistungskomponente. Nur bei Erbschleicherei ist eine Leistungskomponente überhaupt vorstellbar. Doch selbst bei dieser Schäbigkeit können Erbschaften nicht als Entgelt einer unbezahlten Pflege verstanden werden, denn auch dann wären sie theoretisch als Arbeitseinkommen zu besteuern. Eine fehlende Besteuerung gibt den reichen Erben einen ungerechten Startvorteil im Leben und verletzt den zentralen Grundgedanken der Chancengleichheit.

Doch die Leistung armer Menschen wird in so vielerlei Hinsicht missachtet, dass klar ist, dass eine Erbschaftssteuer kein Kernanliegen von ihnen sein muss. Leistungen der MindestsicherungsbezieherInnen werden regelmäßig negiert. Meist werden sie schon per definitionem zu MinderleisterInnen.

Wachsende Macht der Vermögenden entwertet Argumente

Nichtbesteuerte Erbschaften zersetzen die Demokratie. Sie ermöglichen dynastische Vermögenskonzentrationen und räumen einer reichen Elite noch stärkere politische Einflussmöglichkeiten ein. Beim Vererben von großen Besitztümern geht es stets auch um die Sicherstellung von Macht und Herrschaft.

Unsere gesellschaftspolitischen Schlussfolgerungen aus zehn Jahren Diskussionen über die Erbschaftssteuer in Österreich sind:

·        Die statistischen Voraussetzungen für eine seriöse Debatte haben sich in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert: Mit dem Household Finance and Consumption Survey des ESZB liegen erstmals umfassende Daten über die Verteilung des Vermögens und der Erbschaften der privaten Haushalte vor. Dies verbessert die Datenlage in Österreich entscheidend und könnte zu einer Versachlichung der Auseinandersetzung beitragen. Die Konzentration beim Erben auf wenige Haushalte und die wichtige Rolle für die Vermögensungleichheit ist evident.

·        Die Sozial- und WirtschaftswissenschafterInnen haben sich in den letzten zehn Jahren fast ausnahmslos für die Einführung einer Erbschaftssteuer positioniert. Es gibt unseres Erachtens keine WissenschafterInnen, die auf Basis einer wissenschaftlichen Analyse gegen eine Erbschaftssteuer wären. Auch die in den letzten zehn Jahren entstandenen neoliberalen Thinktanks positionieren sich nicht grundsätzlich gegen eine Erbschaftssteuer. Andernfalls müssten sie ihr Etikett von liberal auf konservativ ändern.

·        Einer Zweckbindung des Erbschaftssteueraufkommens für den Ausbau des Pflegesystems kann es gelingen, die Vorbehalte gegen eine Erbschaftssteuer zu mindern, Ängste zu reduzieren und eine folgenlose Symbolik zu beseitigen. Denn eine Zweckbindung verknüpft das Erbschaftssteueraufkommen mit den (finanziellen) Herausforderungen der familiären Pflege. Die steuerliche Belastung einer kleinen Zahl an vom Schicksal begünstigten Menschen könnte so sozialpolitische Verbesserungen für die breite Masse der Bevölkerung in einer Phase des Lebens, in der sie besonders schutzbedürftig sind, ermöglichen.

·        Das wichtigste Hindernis für eine Einführung der Erbschaftssteuer bleibt das mächtige Bollwerk der wirtschaftlich, medial und politisch dominanten Reichen. Dieses gesellschaftspolitisch zu bekämpfen, bleibt vermutlich die Herausforderung für die nächsten zehn Jahre.

Wednesday, May 3, 2017 11:46:00 PM Categories: Gerechte Besteuerung
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Superreiche: Großer Unterschied wird für die Mittelschicht zum Problem

Weltweit schwellen die Vermögen an. Das erzeugt gewaltige Schieflagen, die letztlich nicht einmal im Interesse der Superreichen sind. Einblicke in die Sphären der Geldelite und Ausblicke, was das für den Rest der Welt bedeutet.

Von Ruth Reitmeier

zum Originalartikel ->

Eine Feier in rauschender Meerestiefe, ganz privat, ungestört vom Rest der Welt, in einem Luxusjacht-U-Boot. Dieser futuristisch-dekadent anmutende Traum wird vielleicht schon bald Wirklichkeit werden. Vorerst gibt es diesen Hybriden aus U-Boot und Jacht zwar erst am Computerscreen, doch er hat als die nächste Dimension der Superjachten den Nerv der Fachwelt getroffen. Erdacht haben ihn die österreichischen Jachtdesigner Christopher Gloning und Christian Gumpold. Ihre Designstudie, die jüngst auch auf der Monaco Yacht Show vorgestellt wurde, zeigt ein 115 Meter langes U-Boot, allerdings nicht in der üblichen militärischen Kargheit, sondern aufgemotzt mit Pool, großzügigen Sonnendecks und dem unverzichtbaren Helikopter-Landeplatz. Zieht Schlechtwetter auf, werden die Außenanlagen eingefahren, alles dicht gemacht und man taucht ab in die Welt der großen Fische.

Privatsphäre, Sicherheit und Extravaganz
Ein wichtiger Input für diese Idee des ultimativen Superspielzeugs für Superreiche kam nicht zuletzt von der potenziellen Klientel selbst. Denn wer ein Vermögen für Anschaffung und Betrieb einer Jacht ausgibt, der will dort vor allem eines: in Ruhe gelassen werden. ‚Diese Kunden wünschen ungestörte Privatsphäre, Sicherheit und Extravaganz‘, betont Gumpold.

+++ Vermögen der reichsten Österreicher doppelt so groß wie angenommen +++

Dass die Reichsten der Reichen am liebsten unter sich bleiben, abgeschottet vom Rest der Welt, ist auch eines der Ergebnisse der Multimilliardärs-Analyse, die Chrystia Freeland in ihrem aktuellen Buch ‚Die Superreichen. Aufstieg und Herrschaft einer neuen globalen Geldelite‘ - erschienen bei Westend - vorlegt. Die kanadische Autorin hatte als renommierte Wirtschaftsjournalistin jahrelang Zugang zur Welt der Reichen.

Die Kluft zwischen den Allerreichsten und dem Rest der Bevölkerung wird weltweit immer größer, zumal die Superreichen auch das Gros der Vermögenszuwächse abschöpfen. Dies ist der Ausgangspunkt ihrer Eliten-Studie. Die Autorin konzentriert sich dabei auf die Top-Ränge der Liste des US-Wirtschaftsmagazins ‚Forbes‘, beschreibt das Leben der Superreichen nicht voyeuristisch, sondern nüchtern, analysiert die Mechanismen und Konsequenzen dieser unfassbaren Vermögen und zeigt, wie die Reichen ticken.

Was hat sie herausgefunden? Die Elite der Superreichen wird nicht etwa von Erben dominiert, sondern gerade unter den Vermögendsten konzentrieren sich Self-made-Milliardäre. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um Männer. Männer, die rechnen können. Denn auffällig viele von ihnen haben sich in ihrer Jugend für eine mathematisch-technische Ausbildung an einer Elite-Hochschule qualifiziert. Das trifft auf amerikanische Superreiche ebenso zu wie auf russische Oligarchen. Die heute Reichsten der Reichen entstammen vielfach der Mittelschicht, wo sie sich unter komfortablen Rahmenbedingungen und bestem Bildungsangebot vom vifen Burschen zum künftigen Multimilliardär entfalteten.

Die neuen Superreichen sind Working Rich. Auch nachdem sie es längst geschafft haben, absolvieren sie in der Regel ein intensives Arbeitspensum samt dichtem Terminkalender und internationaler Reisetätigkeit. Zur Arbeit für den Konzern kommt noch jene für die hauseigenen Charitys. Zwar wird man vom Gemeinwesen ungern zu höheren Abgaben genötigt und fühlt sich tendenziell vom Staat schikaniert, will aber dennoch der Gesellschaft etwas zurückgeben. Nachdem diese Superreichen globale Unternehmen hochgezogen haben, meinen sie auch die Wohltätigkeit neu erfinden zu müssen und mit dem Instrumentarium ihres Geschäftserfolgs bessere Resultate als althergebrachte soziale Einrichtungen zu erzielen.

Diese philanthropisch-kapitalistischen Tätigkeiten bieten zudem Gelegenheit zum Austausch mit anderen in ihrer Liga. Die Geldelite organisiert ihr Leben vornehmlich in Netzwerken, wo sie unter sich bleibt. Ihr gesellschaftliches Leben hat allerdings wenig mit Bällen oder Jagdgesellschaften zu tun, sondern spielt sich auf dem internationalen Konferenzparkett ab, vornehmlich bei Veranstaltungen, die den Schwerpunkt auf die Lösung der großen globalen Probleme legen. Der Spitzenevent ist das alljährlich im Jänner/Februar tagende Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Buchautorin kommentiert: ‚Dorthin eingeladen zu werden, signalisiert einem ehrgeizigen Plutokraten, in der internationalen Szene angekommen zu sein‘.

Alles in allem, ein ziemlich dichtes Programm. Diese umtriebige Lebensart verleitet dazu, die Schlussfolgerung zu ziehen, eben einfach doch gescheiter, schneller, emsiger als der Rest zu sein - und den sagenhaften Reichtum folglich verdient zu haben. Im Umkehrschluss trägt wohl jeder, der es nicht nach oben schafft, dafür selbst die Verantwortung. So mancher Superreiche erklärt sich seinen spektakulären Aufstieg auch einfach damit, mit einer einzigartigen Begabung zum Geldverdienen gesegnet zu sein. Freeland korrigiert: Ohne die enormen Auftriebskräfte der Globalisierung, Technologisierung und die Potenziale deregulierter Weltfinanzmärkte wäre es nicht möglich, dass ein einzelner Mensch solcherart Reichtum in wenigen Dekaden anhäuft. Dafür waren in Unternehmerfamilien in früheren Zeiten gleich mehrere fürs Geschäft begabte Generationen nötig.

Das Problem am Reichtum unserer Tage:
Vermögenszuwächse passieren im globalisierten Turbokapitalismus fast nur noch ‚oben‘ und sickern kaum nach ‚unten‘ durch. Es herrsche, so Freeland, das Prinzip: ‚Der Gewinner bekommt alles‘. Die ökonomische Realität hat die Trickle-down-Theorie überholt, die davon ausgeht, dass letztendlich alle vom wachsenden Wohlstand profitieren. Dieses Prinzip funktioniert längst nicht mehr. Und wird der Kuchen auch insgesamt größer, bekommen deshalb nicht alle mehr davon ab, das Gegenteil ist der Fall. In den USA stagnieren trotz enormer Wohlstandszuwächse seit gut drei Jahrzehnten die Löhne der Arbeiter, mit dem Resultat, dass die Armen ärmer und mehr werden. Der Lohndruck hat aber längst die Mittelschicht erreicht, und auch sie wirtschaftet ab. Freeland im Gespräch mit profil: ‚Was zurzeit mit der Mittelschicht passiert, ist wirklich beunruhigend. Während die Vermögen oben anschwellen, wird die Mitte ausgequetscht‘.

Im 21. Jahrhundert ist die wachsende Ungleichheit längst zu einem globalen Thema geworden. Österreich ist dabei keine Ausnahme. Das bedenklichste Ungleichgewicht besteht bei den Vermögen, zumal echte Spitzeneinkommen ein eher punktuelles Phänomen und außerdem hoch besteuert sind. Das aktuelle Ranking der Reichsten im Lande im Wirtschaftsmagazin ‚trend‘ listet 30 österreichische Euro-Milliardäre, die in Summe 100 Milliarden schwer sind.

Internationale Reichen-Zählungen wie etwa der World Wealth Report des internationalen Beratungsunternehmens Capgemini und der Royal Bank of Canada zeigen ein ähnliches Bild. Dort gilt bereits als reich, wer über ein Finanzvermögen von mehr als einer Million US-Dollar, also rund 750.000 Euro verfügt. Das Ergebnis für Österreich: Im Vorjahr zählten 98.800 Österreicher zu den weltweit erhobenen Dollar-Millionären. Das entspricht einem Plus von immerhin zwölf Prozent binnen eines Jahres.

Indessen wähnen sich die Österreicher in der Illusion der Gleichheit. Denn dieser fantastischen Summen ungeachtet, geschieht das Auseinanderdriften der Vermögensverhältnisse fast unbemerkt. Studien belegen, dass die Österreicher von einem Mittelstandsmythos beseelt sind, der nichts mit der Realität zu tun hat. ‚In der Vermögensverteilung gibt es in Österreich de facto keinen Mittelstand. Die Hälfte der Bevölkerung besitzt fast nichts‘, betont Ökonom Wilfried Altzinger von der Wirtschaftsuniversität Wien.

Ein paar Zahlen aus der aktuellen Studie zu - Vermögen in Österreich - der Universität Linz (profil 32/2013 berichtete): Die ärmsten 50 Prozent der Privathaushalte besitzen gerade 2,2 Prozent des gesamten Nettovermögens von rund 1,25 Billionen Euro, die reichsten zehn Prozent hingegen 69 Prozent, wobei sich der Reichtum nach obenhin verdichtet: Das reichste eine Prozent besitzt mehr als ein Drittel des Gesamtvermögens, nämlich 37 Prozent davon.

Rankings der österreichischen Geldelite
Die Superreichen - es handelt sich dabei im Wesentlichen um die Milliardäre - sind wissenschaftlich schwer zu erfassen und wurden auch in der Linzer Studie nicht einbezogen. Wer sie sind und wie reich sie sind, zeigen alljährlich veröffentlichte Rankings der österreichischen Geldelite. Auch in den heurigen Listen führen unangefochten die Familien Porsche und Piëch mit einem Vermögen von 41,5 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich streng genommen nicht um einen einzigen, sondern um ein paar milliardenschwere Haushalte. Dessen ungeachtet ist dieses Familienvermögen größer als das der ärmsten 54 Prozent gemeinsam. Kratzten diese fast zwei Millionen Haushalte alles zusammen, so kämen sie auf 40,7 Milliarden Euro.
•••

Das Familienvermögen Porsche & Piëch: 41,5 Milliarden Euro*

Das gesamte Vermögen der ärmsten 54 Prozent der österreichischen Haushalte (= 1,986.120 Haushalte): 40,7 Milliarden Euro

•••
Auch in Österreich sind gerade unter den Superreichen die Selfmade-Milliardäre auffallend stark vertreten. Die Mehrheit der österreichischen Vermögen wurde jedoch nicht von einem erfolgreichen Unternehmer hochgezogen, sondern entstand über Jahrzehnte durch akkumulierte Ersparnisse von Generationen - wobei Erbschaften als Sockel für weiteren Vermögensaufbau dienten. Geschätzte 30 Milliarden Euro werden in Österreich Jahr für Jahr weitergegeben. ‚Erbschaften und Schenkungen sind allerdings noch ungleicher verteilt als die Vermögen‘, betont Altzinger. 66 Prozent der privaten Haushalte erben gar nichts, und unter den Erbhaushalten zeigt sich die übliche Verteilung: Jene, die über wenig Vermögen verfügen, erben überschaubare Beträge, große Erbschaften hingegen machen ohnehin vermögende Haushalte.

Vermögensbildung, so zeigt sich, braucht vor allem eines: stabile Verhältnisse. Krisen und Kriege hingegen vernichten Vermögen, sind Gift fürs Geld. Nicht zuletzt deshalb ist der gesellschaftliche Zusammenhalt im ureigensten Interesse der Reichen. Und auch wenn sie am liebsten unter sich bleiben, brauchen auch sie ein funktionierendes Gemeinwesen da draußen. Stark ungleiche Gesellschaften hingegen sind weder stabil noch nachhaltig. US-Ökonom Joseph Stiglitz fasst es so zusammen: ‚Die Beweislage aus der Geschichte ist eindeutig: Es kommt der Punkt, wo sich die Ungleichheit spiralartig nach unten dreht und eine ökonomische Funktionsstörung verursacht. Und wenn es so weit kommt, zahlen auch die Reichen einen hohen Preis‘.

Was außerdem zu beachten ist:
Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen geben ihr Geld aus. Sinkt ihre Kaufkraft, so schadet das der Wirtschaft enorm. Das können ein paar superreiche Big Spender nicht kompensieren.

Zugleich verstärken krasse Schieflagen der Vermögen Chancenungleichheit und soziale Immobilität. Perspektivenlosigkeit passt so gar nicht ins Selbstverständnis der meisten westlichen Industriestaaten, galt es doch quasi als ausgemacht, dass jeder, sofern er sich anstrengt, zumindest eine Chance bekommt. Stiglitz identifiziert diese Entwicklung als eine der negativsten Konsequenzen des Ungleichgewichts. Die Vereinigten Staaten von Amerika seien heute nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, schreibt Stiglitz in seinem Bestseller ‚Der Preis der Ungleichheit‘

In Österreich werden nicht nur Vermögen, sondern auch Bildungsabschlüsse zwischen den Generationen einer Familie weitergegeben. Sind die Eltern Akademiker, stehen die Chancen gut, dass auch die Kinder einen Hochschulabschluss machen. Hingegen werden aus nur sechs Prozent der Kinder, deren Eltern einen Pflichtschulabschluss haben, Akademiker. Die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems ist gering. In der Wissensgesellschaft ist Bildung jedoch der Schlüssel zu höheren, sichereren Einkommen und stärkerer Kaufkraft. Um den Wirtschaftsstandort gesund zu erhalten und zugleich bessere Bedingungen für mehr Chancengerechtigkeit zu schaffen - da sind sich die Experten einig -, müsse vor allem der Bildungsbereich reformiert werden. WU-Professor Altzinger plädiert dafür, möglichst früh in der Bildungskarriere anzusetzen und bereits in hochwertige Vorschulerziehung zu investieren: ‚Je früher, desto besser. Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass die ersten Lebensjahre von zentraler Bedeutung für den weiteren Bildungs- und Erwerbsverlauf sind‘.

Freelands Buch heißt im Original übrigens nicht etwa ‚The Superrich‘, sondern ‚Plutocrats‘ - die Plutokraten. Die Essenz der Analyse: Das viele Geld in den Händen Weniger bedroht die Demokratie. Zum einen, weil Vermögens- und Machtkonzentration zusammenhängen, zum anderen, weil eine kapitalistische Demokratie, die breiten Bevölkerungsschichten keine Vorteile bringt, ein Legitimationsproblem hat. Der deutsche Publizist Jens Jessen schreibt zu diesem Thema in der Wochenzeitung ‚Die Zeit‘: ‚Wird ein so gewaltiger Lebensbereich wie die Wirtschaft der gesellschaftlichen Gestaltungskraft entzogen, ist auch die Demokratie sinnlos‘.

‚Machtbegrenzung kann letztlich nur über Vermögensbegrenzung erfolgen‘, betont Altzinger. Eine Ära, die die Entstehung riesiger Vermögen begünstigt, wird demzufolge eine Zeit der höheren Besteuerung der Vermögenden sein müssen. Steuerexperten beschäftigt dabei nicht nur die Frage der Gerechtigkeit, sondern vor allem jene, was ökonomisch am sinnvollsten ist. Kurz: Welche Maßnahmen bringen und welche bremsen mehr Wachstum und Beschäftigung. Die OECD hat dazu eine Steuer-Wachstums-Hierarchie erarbeitet. Das Resultat der Analyse der Abgabensysteme in 21 OECD-Staaten auf den Punkt gebracht: Die höhere Besteuerung von Einkommen wirkt sich negativ auf das Wirtschaftswachstum aus, die Grundsteuer und die Erbschaftssteuer hingegen gelten als die verträglichsten Abgaben. In Österreich wird demnach exakt falsch besteuert, zumal sich das Abgabensystem auf die Arbeitseinkommen konzentriert und die Vermögen schont.

Eine wachstumsverträgliche Umverteilung setzt laut Margit Schratzenstaller, Steuerexpertin des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), bei einer Entlastung der niedrigen und mittleren Einkommen an. Bei jenen, die so wenig verdienen, dass sie ohnehin keine Steuern zahlen, kann dies über eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge erreicht werden, bei den mittleren Einkommen bietet sich ein Absenken des Eingangssteuersatzes an, der in Österreich mit 36,5 Prozent im EU-Vergleich zu den höchsten zählt.

Zur Gegenfinanzierung bieten sich zunächst eine Reform der Grundsteuer an sowie die Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuern. Die Basis für die Berechnung der Grundsteuer sind die Einheitswerte, die seit den 1970er-Jahren nur minimal angepasst wurden und heute weit unter den Verkehrswerten liegen. Mit einer zeitgemäßen Erhöhung der Einheitswerte wäre zudem eine fairere Basis für eine Neuauflage der Erbschafts- und Schenkungssteuern geschaffen.

Eine klassische Vermögenssteuer, also eine Besteuerung der Substanz, hält Schratzenstaller hingegen für problematisch. ‚In der Vergangenheit waren davon primär die Unternehmen betroffen, zumal das strenge österreichische Bankgesetz Privatvermögen schützt‘.

profil.at         17.10.2013 11:58